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Technik frisst Privatsphäre? | Zweithirn für Spackos?!

Mai 18, 2011


Manu Forster – Tuesday, May 10, 2011

Die Gedanken und Überlegungen in diesem Beitrag beziehen sich auf einen Gastbeitrag von Georg Jähnig für die sogenannte DATENSCHUTZKRITISCHESPACKERIA“ :::

http://spackeria.wordpress.com/2011/05/09/technik-frisst-privatsphare/

Die Frage (die sich irgendwie aufdrängt) war/ ist:::

Werden wir irgendwann zu (gläsernen) „Borg-Drohnen“?… gesteuert von einer „Illuminati-Gang?“

[=_=] -> „RESISTANCE IS FUTILE!“ / „WIDERSTAND IST ZWECKLOS!“ *??

~ * ich denke, „Privatsphäre“ kann und wird auf lange Sicht nicht über die Optionen technologischer Machbarkeit gestellt werden… das mögliche Risiko wird sich letztendlich immer am möglichen Vorteil messen lassen müssen und angesichts einem geradezu evolutionären Vorsprung schwinden die Bedenken über eventuelle Risiken wohl mittelfristig dahin…
Als „Leonardo D’Avinci“ oder die „Gebrüder Wright“ entdeckt haben, dass Menschen – technisch betrachtet – durchaus fliegen können, war es absehbar, dass Menschen irgendwann auch fliegen wollen, um sich den offenbaren evolutionären Vorteil darin zu erschliessen… Auch wenn damals wohl leicht nachvollziehbare, allgemeine Bedenken bezüglich der Sicherheit und der Machbarkeit aufgekommen sind und sich seinerzeit wohl Niemand vorstellen konnte, wie viele schwere, geräumige und bequeme Flugzeuge heute tagtäglich über den Himmel rauschen…

Egal wie absurd oder gefährlich die technologische Option zunächst auch erscheinen mag…
Es wird immer Einige geben, die das Potential der Technologie ausloten wollen… Einige, die es können… Einige, die es implementieren werden und eine (kritische) Masse mit dem Wunsch „infizieren“ werden, sich diese Optionen zu erschließen…

Klar, kommt das „Zweithirn“..! keine Frage! in gewisser Hinsicht benutzen wir ja (alle?) jetzt schon ein „Zweithirn“… in der Cloud und im social web teilen und verteilen wir doch ständig schon unser Wissen, unsere Ansichten und Ideen… beurteilen Menschen, deren Aktionen und Aussagen und wir diskutieren darüber/ gleichen in der Diskussion unsere Wertesysteme ab/ kommentieren darauf…
-> genau dieser Prozess erhält meiner Meinung nach die „Gesundheit“ des zweiten Hirns..! (oder unsere Gesundehit im Umgang damit.)

Im Austausch der Ansichten, Meinungen und Auffassungen relativieren wir unsere Ansichten, Meinungen und Auffassungen über die (gemeinsame/soziale/objektive?) „Wirklichkeit“! Diese Ansichten und Auffassungen sind es ja letztendlich, die Reaktionen zur Folge haben könnten, über die wir uns vielleicht Sorgen machen (könnten/ sollten)… Aber wir dürfen – bei aller Skepsis – nicht vergessen, dass die „Totale Überwachungimmer nur so gefährlich für unsere bürgerlichen und persönlichen „Freiheiten“ ist, wie die Paradigmen (und Maximen) der Leute, denen wir die Kompetenzen zur Führung (und Kontrolle?) vergeben
und ausserdem ist auch das Auffassungsvermögen von „Big Brother“ begrenzt („Attention is finite!“)… Das Einzige, wovor ich mich [deshalb] fürchte, ist: dass Bewertungen stattfinden, die auf „gefährliches Halbwissen“ gründen – irreführende Spekulationen, die im Rahmen von unreifen Auffassungen bezüglich Moral, Recht und Gerechtigkeit getroffen werden

:::

Dieses Zitat hab’ ich gerade in einer Doktorarbeit über Konstruktivismus gefunden: PD Dr. phil. habil. Thomas Zoglauer:

Jedes Wahrgenommene setzt etwas Wahrnehmendes, jedes erkannte Objekt setzt ein erkennendes Subjekt voraus.

Klingt eigentlich trivial… wie ich das auffasse(!) bedeutet das: Was wir (vor oder hinter der obskuren „Privatsphäre“) erkennen (und Wissen) können, hängt immer von unserer individuellen Auffassung/ Wahrnehmung, (bzw. der Wirklichkeit) ab, die wir konstruieren. Und diese Wirklichkeit steht mit den sozialen Paradigmen und den moralischen Normen im Zusammenhang, die in unserem (ebenfalls individuellen) Umfeld gelten und (auf uns/ von uns) projiziert werden. _

Was die ominösen „Verschwörer“ angeht:::
Ich glaube, dass irgendwann auch jede „Illuminaten-Gang“ an die Grenzen Ihres Auffassungsvermögens stossen wird…
Außerdem sind die Grenzen der (kybernetischen) Steuerbarkeit eines Systems auch recht bald erreicht.
Die Systemtheorie besagt – sinngemäss: Ein steuerndes System darf dem System, das gesteuert werden soll in Komplexität und Variabilität nicht unterlegen sein…

„Every Good Regulator of a System Must be a Model of that System“ (Ashby)

Der Wunsch nach Kontrolle/ Steuerung und Einflussnahme muss zunächst mal eine rationale Grundlage haben – (oft steht dahinter schon eine soziale oder psychische Störung/ ein [paranoider] Wahn oder eine Neurose). Man muss zudem wissen und erkennen (können), welche „Störung“ für ein soziales System (in welcher Relation) eine faktische Störung darstellt, durch welche Aktionen die eventuelle „Störung“ im System beseitigt werden kann und welche Effekte aus der Einflussnahme/ dem Versuch der Steuerung zu erwarten sind.

Ohne eine rekursive Beobachtung (eine „Kybernetik zweiter Ordnung“) taugt der gesamte Steuerungsapparat sowieso nix;) Der Beobachter eines Systems muss (dazu) ebenso wie das System selbst beschrieben und erklärt werden (können). Die (rekursive) Beobachtung der Beobachtung eliminiert dann sozusagen den (gefährlichen) Begriff einer ‘objektiven’ Realität… (-> Niklas Luhmann) http://de.wikipedia.org/wiki/Beobachtung_zweiter_Ordnung

>> Die politische, soziale, emotionale Neutralisierung des Beobachteten soll eine Gemeinschaft als Wechselwirkung zwischen den Beobachtern schaffen. <<

Uns sollte bewusst werden, dass auch diejenigen Subjekte, die eine (wie auch immer geartete) Form der „Überwachung“, Kontrolle (und Manipulation) auf andere Gruppen und Individuen ausüben wollen, ihre eigenen Normen, Ansichten und Auffassungen (ihre Realität!) an eben den Normen, Ansichten und Auffassungen relativieren müssen/ werden, die in der Öffentlichkeit „gehandelt“ und ‚konsolidiert‘ werden. [Wir alle sind am Prozess dieser Werte-bildung (der Evaluation der Werte) beteiligt!] … wenn wir uns einbringen wollen (können?).

Letztlich müssen wir in jeder soziologischen Betrachtung den Rahmen hinterfragen, in dem wir „Gesellschaft“ definieren und stattfinden lassen: In einem nationalen (oder gar global gefasstem Rahmen) ist „Gesellschaft“ offenbar jetzt schon nicht mehr ausreichend steuerbar…

Weder Politik noch Markt & Wirtschaft kann die aktuellen sozialen/ ökonomischen/ ökologischen Probleme bewältigen… Befriedigende, gerechte und nachhaltige Lösungen finden wir meiner Ansicht nur im (rekursiven) Austausch unserer Meinungen im Rahmen überschaubarer Teilnetze, in denen durch unmittelbare Nähe und souverän gewählte, natürliche, familiäre soziale Bindungen ein Klima der bedingungslosen Solidarität für alle verbundenen Mitglieder aufgebaut und erhalten werden kann.

Überwachung“ spielt dort, wo Solidarität, Nähe und Vertrauen herrscht, keine grosse Rolle mehr.
Selbstregulierende, vernetze soziale Systeme, die Ihre Werte, Ziele, Rechte, Pflichten, Aufgaben und Aktionen im lebendigen Austausch der Öffentlichkeit am Prinzip der „Autopoiesis“ orientieren, sind meiner Ansicht nach, der ideale und optimale Rahmen in dem „Gesellschaft“ funktionieren kann…

Weg von statischen, ideologisch erstarrten und unflexiblen Institutionen und Autoritäten!..
(-> Dezentralisierung und transparente Vernetzung: die Kumulation von Macht und Kompetenzen haben uns zusehends in eine fatale Sackgasse geführt! Wir sind in unserer Identität desorientiert und fehlgeleitet, von hilflosen Bürokratien und aufgesetzen/ künstlichen gesellschaftlichen Rahmensystemen, die einer natürlichen sozialen Integration im Wege stehen… da müssen wir raus!)

Kein „allsehendes Auge“, oben auf der gemauerten „Pyramide der Macht„, sondern offene Augen/ allseitige Transparenz und Kompetenzen für alle Diejenigen, die sich in ihrem jeweiligen sozialen Umfeld anhand ihrer Interessen und Handlungen eine entsprechende Reputation vor ihrer Öffentlichkeit verdient und erarbeitet haben…

Beobachtung darf nicht immer mit Kontrolle assoziiert werden…
(Diese allgemein vorherrschende Assoziation ist für mich nur eine Folge von Korruption und Machtmissbrauch in unserem aktuellen System dürftiger sozialer Arrangements!)

Folgendes sollte uns klar sein:::
Wenn wir die kommunikativen Mittel, die uns durch technologischen Fortschritt erschlossen werden teilweise oder gar in vollem Umfang nutzen wollen, kommen wir nicht umher einzusehen, dass unsere „Privatsphäre“ im Begriff ist sich zugunsten erhöhter Transparenz aufzulösen. Wenn wir zudem verstehen, dass es in jedem Fall einige Leute oder Gruppen geben wird, die sich die technologischen Optionen in vollem Umfang zu nutze machen werden, dann folgt daraus, dass wir anderen einen unfairen Vorteil gestatten, falls wir uns den fraglichen Medien und Kommunikationswegen starrsinnig entziehen oder auf ein Verbot der Nutzung dieser Optionen beharren…
Im Falle eines Verbotes wird der Vorteil für diejenigen nur umso größer, die sich weigern sich an die Verbote zu halten oder aufgrund ihrer Position nicht daran halten müssen.

Es geht schließlich und letztendlich nur um den Umgang mit der Transparenz
Es gibt eine Reihe von offensichtlich verkehrten Motiven der Beobachtung durch Dritte:
Für Personen, die aus selbstsüchtigen Motiven, Triebstörungen oder psychischen Erkrankungen heraus ihre Position als unerkannte Beobachter ausnützen und missbrauchen, um Andere ohne eine konsensfähige Rechtfertigung auszuspähen oder auszuhorchen gibt es in unserem Sprachgebrauch bereits durchaus zutreffende Bezeichnungen: „Lauscher„, „Spanner„, „Gaffer„, „Spitzel„, „Schaulustige„, „Klatschbasen“ und „Lästermäuler“ sollten selbst einsehen, dass man sich durch ein derartiges Verhalten nur selbst stigmatisiert und seine eigene Würde und Achtung vor der Gesellschaft auf’s Spiel setzt!
In der allgemein erhöhten Transparenz wird schließlich auch die Beobachtung der Beobachter einfacher möglich… FEHLVERHALTEN ist dann einfach nur PEINLICH.

Leute, die Andere beobachten, um sich selbst an deren Verhalten zu messen, während sie das Objekt der Beobachtung herabsetzen leiden offenbar an einem ihrerseits gestörtem Selbstwertgefühl. Daher ist Lästerei, das Verbreiten von Gerüchten und Mobbing grundlegend schon auf eine tief greifende soziale und psychische Störung zurückzuführen (nämlich: die Unfähigkeit sich durch vorbildhaftes Verhalten sozial zu integrieren oder durch konstruktive Kritik auf andere einzuwirken, deren Verhalten man evtl. missbilligt!) und sollte auch dementsprechend betrachtet (und behandelt!) werden.

Wir sollten in jedem Fall unsere Motive prüfen, wenn wir einen Dritten beobachten oder bewerten!

Der Zweck der Beobachtung (und der Erkenntnisgewinn daraus) sollte viel eher ein soziales (kollektives/ übersummatives?) Lernen sein… (-> „Emergenz“!)

Es gibt quasi nur zwei Situationen, Bedingungen oder Anlässe, in denen sich die Beobachtung eines Dritten rechtfertigt:

(1) Den aufrichtigen und ehrlichen Willen, vom Objekt der Betrachtung zu lernen bzw. dem Observierten selbst oder (unbeteiligten) Dritten durch Beobachtung Informationen zukommen zu lassen, die einen gewissen erwarteten Lernerfolg zufolge haben. Eigenes oder emergentes/ übersummatives Lernen, Verstehen und Begreifen.

– ODER

(2) Berechtigte, vermittelbare Bedenken, Zweifel oder Ängste bezüglich der Motive dessen, den man der Kontrolle oder der Überwachung aussetzen möchte…
Die Abwehr einer Gefahr für den Beobachter selbst, die Gesellschaft, oder das Objekt der Überwachung.

Falls man davon ausgeht, dass ein berechtigter Hinweis oder Verdacht besteht, dass gesellschaftliche Gruppen oder Einzelne Individuen (-> Gefahrenabwehr), der Beobachter selbst (-> Selbstschutz) oder der Beobachtete (->“Babysitting“) vor einem negativen Einfluss oder einer Gefahr geschützt werden müssen, dann ist das Motiv Furcht/ Angst oder im besten Fall ein Gefühl der Verantwortlichkeit… Der Wunsch nach Schutz/ die Ängste oder Befürchtungen (der Beobachter) müssten aber in diesem Fall auch wieder allgemein nachvollziehbar beschrieben oder vermittelt werden können… Sonst liegt auch hier der Verdacht nahe, dass die Beobachtung (die „Überwachung“) aus unbegründeten Vorurteilen, eventuell sogar aus einem paranoiden Wahn heraus erfolgt.
Der Beobachtete sollte sich eigentlich niemals ausgeliefert fühlen… er ist grundsätzlich nie das „Opfer“ des Beobachters! Vielmehr hat er ständig die Chance den Beobachter durch natürliches, geradliniges, ehrliches und aufrichtiges Verhalten in dessen Motiven zu hinterfragen und gewissermaßen sogar zu fördern und zu erziehen… Der Beobachter stellt sich psychologisch in jedem Fall erst einmal UNTER das Objekt der Beobachtung.
Vor allem, wenn er heimlich beobachtet und im Dunkeln agiert! Das sollte uns bewusst werden. In erster Linie steht zunächst der Sinn und Zweck der Beobachtung (/der Kontrolle) in Frage! Der Beobachter ist derjenige, der seine sozialen Kompetenzen einbüßt, wenn der Zweck seiner Beobachtung sich im Zweifelsfall nicht vor der Öffentlichkeit vermitteln, vertreten oder rechtfertigen lässt.

Wenn es sich um eine gezielte Überwachung handelt, dann rechtfertigt sich diese nur, falls das Objekt der Beobachtung tatsächlich deutlich destruktive Motive zeigt, andere Personen oder sich selbst in Gefahr bringt, wodurch eine Überwachung und Kontrolle schließlich tatsächlich gerechtfertigt werden.

Im Rahmen einer transparenten Gesellschaft sollten Disziplin, Anstand, moralisches/ konstruktives Verhalten und eine positive Motivation jedoch eher völlig selbstverständlich aus dem Wunsch heraus entstehen, den sozialen Horizont, in den man sich (bewusst und entschlossen) integrieren möchte vorbildhaft aufzuwerten…

Die „Belohnung“ oder Kompensation für jeden Beitrag zur Förderung und Aufwertung der sozialen Kreise ist vor den offenen Augen der jeweils erschlossenen/ interessierten Öffentlichkeit eine natürliche Aufbesserung der sozialen Reputation und damit auch ein entsprechender Zugewinn an Kompetenz und Vertrauen im eigenen Netzwerk… – Was sowohl mit einer gewissen sozialen „Besserstellung“ verbunden sein kann, als auch mit einer gewissen sozialen Verantwortung, die man in der erarbeiteten Position zu tragen hat…

Diese untrennbare Verbindung von sozialer Besserstellung und sozialer Verantwortung in Folge der erhöhten Transparenz vor der Öffentlichkeit eines souverän gewählten sozialen Netzwerks ist [meiner Ansicht nach] der Schlüssel zu einer natürlichen sozialen Disziplin
In einem derartigen gesellschaftlichen Rahmensystem entstehen eigentlich völlig natürlich alle notwendigen Mechanismen der gesunden Selbstregulation, die eine Gesellschaft ohne den Druck der Kompetition auf Märkten oder einer autoritären/ institutionell organisierten Obrigkeit stabilisieren und balancieren können. _(._.)/

Ein weiterführender Artikel mit interessanten Meinungen, Ansichten und Kommentaren ist hier zu finden:

http://netzwertig.com/2011/05/10/technik-frisst-privatsphare-zeit-sich-dieser-erkenntnis-zu-stellen/

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